Ermittlung der Anziehdrehmomente von Befestigungsschrauben über M 30 bzw. 1¼''
Streuungen des Anziehdrehmomentes können erheblich reduziert werden, wenn für Schrauben über M 30 bzw. 1¼'' das Anziehdrehmoment nicht rechnerisch festgelegt, sondern über die Längendehnung der Schraube ermittelt wird.
Dieser Kontrollvorgang kann einfach durchgeführt werden, wenn beide Schraubenenden im verschraubten Zustand zugänglich sind. Bei Konstruktionen, wo dies nicht möglich ist, muss ein Modellversuch durchgeführt werden (siehe
Bestimmung der erforderlichen Längendehnung).
Die Ersatzklemmlänge muss dann mit Hilfe von Stahlklötzen geschaffen werden, die in der gleichen Größenordnung liegen. Auch die Oberflächenbeschaffenheit der Fläche des Modells, die unter dem beim Anziehen gedrehten Teil liegt (Schraubenkopf oder Mutter), soll die gleiche sein wie am Objekt. In der Regel werden vergütete Unterlegscheiben verwendet, so dass diese Bedingung leicht zu erfüllen ist. Der Einfluss einer unterschiedlichen Anzahl von Trennfugen ist kaum messbar und daher zu vernachlässigen.
Die normal zu erwartende Streuung wird rechnerisch im Anziehfaktor berücksichtigt. Durch den Versuch soll sichergestellt werden, dass auch die Mindestklemmkraft dieser größeren Schrauben innerhalb der für die Rechnung angenommenen Werte liegt.
Für die einzusetzende Schraube wird die elastische Längendehnung bei einer 70%igen Vorspannung gegenüber der Dehngrenze rechnerisch über die elastische Nachgiebigkeit der Schraube entsprechend der Klemmlänge ermittelt.
Die Schraube wird so weit vorgespannt, bis die vorher ermittelte Schraubenlängung ΔI durch die Messuhr angezeigt wird. Das Drehmoment wird dann nach Erreichen des ΔI-Maßes am Drehmomentenschlüssel abgelesen. Wegen möglicher Streuungen ist ein Mittelwert aus mehreren Messungen zu bestimmen.
Da bei Verwendung eines Drehmomentenschlüssels mit Steckschlüsseleinsatz (Nuss) beim Anziehen der Mutter der Messbügel entfernt werden muss, sollen die Versuchsschrauben an beiden Enden mit einer Zentrierbohrung gesetzt werden, wobei Fehlerquellen durch nicht richtiges Aufsetzen des Messbügels weitgehend ausgeschlossen sind.
Mit diesem Anziehdrehmoment werden dann alle Befestigungsschrauben am Großwälzlager vorgespannt. Hierbei ist der für den Versuch benutzte Drehmomentschlüssel zu verwenden. Bei dieser Methode muss ferner sichergestellt werden, dass die zum Einsatz gelangenden Schrauben und die Versuchsschrauben einem Fertigungslos entstammen.
Nach einiger Betriebszeit ist die Schraubenverbindung nochmals auf ihre Vorspannung zu überprüfen und gegebenenfalls nachzuziehen. Diese Kontrolle ist notwendig, um eventuell auftretende Setzerscheinungen, die die Schraubenvorspannung vermindern können, auszugleichen.