Aufgrund ihres relativ großen Durchmessers im Verhältnis zur Querschnittsfläche
haben Lagerringe von Großwälzlagern nur eine geringe Eigensteifigkeit.
Daher haben die Stützsteifigkeiten der Anschlusskonstruktionen einen ganz
wesentlichen Einfluss auf das Tragverhalten eines Großwälzlagers.
Um das Optimierungspotential konsequent ausschöpfen zu können, ist
eine integrale Berechnung mit Hilfe der Finite-Elemente-Analyse unerlässlich.
Daher ist eine optimale Auslegung nur in enger Zusammenarbeit zwischen Großwälzlagerhersteller
und Anlagenhersteller möglich.
Üblicherweise werden von den Anlageherstellern die angrenzenden Anschlusskonstruktionen
mit Finite-Elemente-Modellen berechnet.
Über definierte Schnittstellen können die Informationen der Anschlusskonstruktionen
in das Finite-Elemente-Modell des Großwälzlagers eingelesen und so
die Steifigkeiten von Ober- und Unterwagen bei der Berechnung berücksichtigt
werden. Die Erstellung eines aufwendigen Gesamtmodells an einer zentralen Stelle
ist daher nicht mehr notwendig.
Auf diese Weise werden Interpretationsfehler durch das Lesen fremder Konstruktionsunterlagen vermieden.
Ein Know-How-Transfer findet nicht statt.
Folgende Teilmodelle werden zur Analyse verbunden:
- die obere Anschlusskonstruktion des Kunden
- das Großwälzlager einschließlich Befestigungsschrauben
- die untere Anschlusskonstruktion des Kunden.
Die Information der Teilmodelle kann problemlos per E-Mail ausgetauscht werden.
Die vom Kunden generierten Dateien mit den Steifigkeiten der Anschlusskonstruktionen
können von der Spezialsoftware direkt importiert und zum Modell des Lagers hinzugefügt werden (Bild 2).
Auf diese Weise entsteht ein komplettes Gesamtmodell, bei dem alle wesentlichen Einflussgrößen gleichzeitig in einem Rechenlauf berücksichtigt werden.
Nach erfolgter Lagerberechnung erhält der Kunde per E-Mail Dateien mit den
Verschiebungen und Verdrehungen der Verbindungsknoten an den Flanschen der Anschlusskonstruktionen.
Diese Daten können direkt von seinem Finite-Elemente-Programm importiert
und daraus die dazu gehörigen internen Verformungen und Spannungen der Anschlusskonstruktionen
berechnet werden (Bild 2). Auf diese Weise ergibt sich die Möglichkeit der
kostengünstigen Optimierung des Prototypen. Konstruktive Schwachstellen
werden schnell identifiziert.
Das entwickelte Berechnungsverfahren bietet dem Kunden und dem Hersteller eine
nachhaltige Entwicklungspartnerschaft. Das neue Verfahren ermöglicht sowohl eine sehr wirtschaftliche
als auch eine im Sinne der technischen Mechanik sehr gründliche Analyse
des Gesamtsystems.
Experimentelle Untersuchungen belegen, dass durch Nutzung dieses Systems eine
sehr präzise Berechnung ermöglicht wird. Dadurch kann Versuchsaufwand
während der Prototypentwicklung reduziert werden.