In der Wälzlagertechnik ist die theoretische Lebensdauer ein bekannter Begriff. Wegen der vielfältigen Einflussgrößen kann die nominelle Lebensdauer gemäß DIN/ISO 281 für die Praxis nicht als absoluter Wert, sondern nur als
Vergleichswert und Auslegungsgröße angesetzt werden. Es erreichen nicht unbedingt alle Lager die theoretische Lebensdauer, von der Mehrzahl wird sie in der Regel jedoch überschritten, teilweise sogar um ein Vielfaches.
Die Kriterien der theoretischen Lebensdauer lassen sich nicht ohne weiteres auf Großwälzlager, insbesondere auf solche, die Schwenkungen oder langsame Drehbewegungen ausführen, übertragen.
In der Mehrzahl aller Einsatzfälle ist die Umlaufgeschwindigkeit im Laufkreis relativ klein, so dass Laufruhe und Genauigkeit durch Verschleiß oder vereinzelte Pittings nicht störend beeinflusst werden. Es ist deshalb nicht üblich, Großwälzlager für Schwenk- und langsame Drehbewegungen nach theoretischer Lebensdauer zu dimensionieren. Hier wurde der Begriff „Gebrauchsdauer“ eingeführt. Die Gebrauchsdauer eines Großwälzlagers ist erreicht, wenn der Drehwiderstand progressiv ansteigt bzw. der Verschleiß soweit fortgeschritten ist, dass die Funktion des Lagers nicht mehr gegeben ist (siehe
Verschleißmessung).
Großwälzlager werden für die unterschiedlichsten Betriebsbedingungen eingesetzt. In Abhängigkeit von der Betriebsart, z.B. Schwenkbewegungen mit verschiedenen Schwenkwinkeln und unterschiedlicher Häufigkeit, dauernde Schwenkbewegung oder kontinuierliches Drehen, ist neben der Auswahl nach statischen Gesichtspunkten auch die aus der dynamischen Beanspruchung zu erwartende Gebrauchsdauer zu berücksichtigen.
Die mit Hilfe der Kurven ermittelte Gebrauchsdauer ist nur für Lager mit Schwenk- und langsamen Drehbewegungen einzusetzen. Nicht anwendbar ist dieses Vorgehen z.B.:
- für Lager zur Aufnahme hoher radialer Kräfte,
- für Lager mit hohen Drehzahlen und
- für Lager, die hohen Genauigkeitsanforderungen entsprechen müssen.
In diesen Fällen erfolgt die Berechnung durch Rothe Erde auf Basis der Lastkollektive mit dazugehöriger Drehzahl und Anteilen der Einschaltdauer.
Hierbei ist konsequent zwischen Betriebsstunden des Gerätes und der eigentlichen Dreh- oder Schwenkzeit zu unterscheiden. Die unterschiedlichen Belastungen sind in Lastkollektiven und Anteilen zu berücksichtigen. Für die Gebrauchsdauerbetrachtung ist weiterhin der Schwenkwinkel mit Last bzw. ohne Last eine Einflussgröße, die nicht vernachlässigt werden darf.
Zur überschlägigen Ermittlung einer Gebrauchsdauer sind neben den statischen Grenzlastdiagrammen "Gebrauchsdauerkurven" vorhanden. Ausgenommen
Profillager Typ 13 und Typ 21.
Diesen Kurven liegt eine Gebrauchsdauer von 30.000 Umdrehungen unter Volllast zugrunde und sie können zur Ermittlung einer Gebrauchsdauer für unterschiedliche Lastkollektive bzw. für die Auswahl eines Lagers mit vorgegebener Gebrauchsdauer benutzt werden.